Logo IHRFLogo PHLU

7. IHRF 2010

18./19. Mai 2010 im Verkehrshaus der Schweiz

Schränken allgegenwärtige Informationstechnologien unsere Privatsphäre ein? Garantieren sie mehr Sicherheit für alle durch Einschränkung der Freiheit von Einzelnen? Fördern sie Meinungsfreiheit und Selbstbestimmung? Wie kann ein gleicher Zugang zu ihnen gewährleistet werden?

Am 7. Internationale Menschenrechtsforum Luzern (IHRF) vom 18. und 19. Mai 2010 stand das Thema „Menschenrechte und Digitalisierung des Alltags“ im Zentrum. Bereits nach dem Einführungsreferat von Thomas Kirchschläger, Co-Leiter IHRF, war klar: Das Thema ist aktuell und betrifft unser alltägliches Leben. Die entscheidende Frage sei: Wie gehen wir mit der Digitalisierung des Alltags um?, so Kirchschläger.

Die neuen Informationstechnologien entwickeln sich rasant und eröffnen immer wieder neue Möglichkeiten. Boyan Radoykov von der UNESCO veranschaulichte dies mit einem Vergleich: „Die Informationen, die während einer Woche in der New York Times veröffentlicht werden, sind mehr, als eine Person im 19. Jahrhundert während ihrem ganzen Leben erhalten konnte.“ Doch die Zunahme der Fülle an Informationen ist nicht die einzige Entwicklung, die man beobachten kann. So sprach Thomas Kirchschläger eine neue Erfindung an: Eine Handysoftware mit der man u.a. Gebäude fotografieren kann und mit Knopfdruck die Information über das Gebäude und den Aufenthaltsort empfängt. Brisant daran sei die Tatsache, dass die Software nicht nur Gebäude, sondern auch Gesichter erkennen kann und somit Gesichter und deren Daten verbinde.

Die Entwicklung der Informationstechnologien bietet aber auch Chancen: „Das Internet eröffnet dem Einzelnen die Möglichkeit, sich grundlegende Kompetenzen anzueignen, um seine Rechte durchzusetzen“, erklärte Prof. Dr. Karl-Peter Fritzsche von der Otto-von-Guericke Universität Magdeburg. Mit seinem Referat über Menschenrechtsbildung und eLearning brachte er einen praktischen Bezug in die Diskussion ein. Die neuen Informationstechnologien ermöglichten eine neue Art des Lernens, deren Potenzial vor allem in der Selbstorganisation des Lernprozesses liege, so Fritzsche. Die Menschenrechtsbildung ist von grosser Bedeutung, wie Emmanuel Decaux, der dem UNO-Menschenrechtsrat als Experte zur Verfügung steht, betonte: «Wer seine Rechte nicht kennt, kann sich nicht darauf berufen.» Decaux hofft, dass der Menschenrechtsrat die entscheidende Resolution im nächsten Jahr verabschiedet.

Aber auch die Menschenrechte allgemein waren ein Thema am 7. IHRF. So betonte die iranische Friedensnobelpreisträgerin Shirin Ebadi in ihrer Botschaft an die Teilnehmenden des 7. IHRF die universelle Geltung der Menschenrechte auf der ganzen Welt, aber auch die Abhängigkeiten, die zwischen allen Ländern mit Blick auf deren Menschenrechtssituation existieren: “Wir sitzen alle im gleichen Boot, und wenn ein Teil des Bootes zu brennen beginnt, müssen wir alle etwas dafür tun, um nicht unterzugehen.”

Rückblick

Das 7. IHRF ist zwar schon wieder Vergangenheit, doch die Diskussionen über das Thema Menschenrechte im Allgemeinen und das Forumsthema "Menschenrechte und Digitalisierung des Alltags" gehen weiter, beispielsweise auf politnetz.ch.

Wer sich gerne nochmals an die beiden Forumstage zurückerinnern oder sich ein Bild über die Diskussionen am Forum machen möchte findet Unterstützung bei der Fotogallerie oder in der Beitragsserie von Tink.ch, die mit einem 9-köpfigen Team am 7. IHRF teilgenommen haben.