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5. IHRF 2008

22./23. April 2008 im KKL Luzern

Gibt es ein Menschenrecht auf eine saubere Umwelt? Wer ist für eine saubere Umwelt verantwortlich? Schränkt die Privatisierung von natürlichen Rohstoffen den Zugang zu ihnen ein oder fördert sie ihn? Ist Wirtschaftswachstum ohne Ausbeutung der Umwelt möglich?

Um diese Fragen öffentlich zu diskutieren, trafen sich im Rahmen des 5. Internationalen Menschenrechtsforum Luzern (IHRF) renommierte Akteure und Expertinnen und Experten aus dem In- und Ausland im Kultur- und Kongresszentrum Luzern KKL.

So diskutierten Lalita Ramdas, Vorstandsvorsitzende Greenpeace International, und Albert Wong, Shell International, zusammen mit Remo Gautschi, Vize-Direktor DEZA, wer für die Realisierung einer sauberen Umwelt verantwortlich ist. Die Diskussion warf unterschiedliche Problempunkte auf: Lalita Ramdas betonte die Wichtigkeit der Zusammenarbeit und glaubt daran, dass die Menschen ihren Lebensstil verändern und auf erneuerbare Energie umstellen werden. Sie orientiert sich sinngemäss an Ghandis Aussage: "Auf der Erde gibt es genug für alle Menschen, nicht aber genug für die Habgier der Menschen". Demgegenüber sieht Albert Wong den Lebensstil als unantastbar. Die Veränderungen seien vielmehr in neuen Technologien und in der Umstellung auf erneuerbare Energien zu sehen. Remo Gautschi vertrat in der Diskussion die Rolle des Staates. Das Thema Umwelt liege in der Verantwortung aller. "Mit Partnerschaften auf regionaler, nationaler und internationaler Ebene kann enorm viel erreicht werden", sagte Remo Gautschi.

Prof. Dr. Astrid Epiney, Vize-Rektorin der Universität Freiburg, ging in ihrem Referat auf den Zusammenhang zwischen Sicherheit und Umwelt ein und diskutierte ausgewählte völkerrechtliche Aspekte. Sie wies dabei u. a. auf die Frage hin, wie mit "Umweltflüchtlingen" umgegangen werden müsse. "Derzeit sind Umweltflüchtlinge (noch nicht) durch das geltende Flüchtlingsrecht nicht erfasst", meinte Astrid Epiney. Dies müsse rasch geändert werden. Mit dem Referat zur "Menschenrechtsbildung und Umwelt" verdeutlichte der UNESCO-Lehrstuhlinhaber Prof. Dr. Karl-Peter Fritzsche die Bedeutung und Möglichkeiten von Menschenrechtsbildung für die Nachhaltigkeit von gesellschaftlichen Themen. Menschenrechtsbildung habe eine Schlüsselrolle.

Bei dem vielseitigen Expertenpanel "Ausbeutung – wirtschaftlicher Gewinn – Recht auf Eigentum – Recht auf saubere Umwelt" trafen René Estermann, Geschäftsführer von MyClimate, Lalita Ramdas, Jorge Daniel Taillant, Direktor des Zentrums für menschenrechte und Umwelt in Cordoba (CEDHA), Fadia Daibes-Murad, Hydrologin und Wasserrechtsspezialistin, und Dr. Christoph Weber-Berg, Leiter Fachstelle Kirche und Wirtschaft der Reformierten Kirche Zürich, aufeinander. Verlangt wirtschaftlicher Gewinn die Ausbeutung der Umwelt? Schränkt Umweltschutz das Recht auf Eigentum ein?
Herr Estermann bezog zu dieser Frage eine klare Stellung: "Die Anforderungen, auf die Umwelt Rücksicht zu nehmen, sind Bedürfnisse, welche Optionen für die Wirtschaft bieten." Die Ausbeutung definiert er als Nichtwertschätzung unserer Umwelt. Weber-Berg ist überzeugt von den Kräften des Marktes, jedoch verlangt er einen politischen Rahmen und vor allem persönliche Lebensumstellung. Am Beispiel der Sklaverei erklärte Jorge Daniel Taillant die Trägheit des Umweltschutzes in der Wirtschaft. Sklaverei sei vor 200 Jahren nach der damaligen Meinung notwendig für die wirtschaftliche Entwicklung gewesen, heute sei sie verboten. So sei es momentan mit der Debatte über Umweltveränderungen und Menschenrechte.